Buchtipp: Das Herz und seine heilenden Pflanzen, Wolf-Dieter Storl

Dieses weniger bekannte, jedoch sehr interessantes Buch von Wolf-Dieter Storl wirft einen ganzheitlichen Blick auf das Thema Herz-Kreislauferkrankungen.

Spannend fand ich den Blick auf das Herz und seine Krankheiten aus ethnomedizinischer und ethnobotanischer Sicht.

“ Trotz der Milliarden, die für die gesunde Funktion des Pump- und Röhrensystems ausgegeben wurden, sind und bleiben Herz-Kreislaufversagen die erste Todesursache in der modernen Welt. Sie machen in der westlichen Zivilisation rund die Hälfte der Todesfälle aus. (…) Das war nicht immer so, weder bei unseren Vorfahren noch bei den Naturvölkern.“

Ausgehend von dieser Überlegung wird ein Blick auf die Geschichte der Herzkrankheiten und der verwendeten Heilpflanzen geworfen. Das Herz begriff man früher nicht als mechanische Pumpe, es galt als Sitz der Lebenskraft, als Sitz der Seele und als Quelle der Liebe. Das Herz konnte von Hexen oder Elfen verzaubert werden, von Krankheitsdämonen befallen werden. Das Herz war warm oder kalt, weich oder hart. Man konnte sein Herz verschenken, oder es verlieren, etwas nicht übers Herz bringen, jemanden ins Herz schließen. Herzkrankheiten waren demnach vor allem Krankheiten der Seele, nicht organische funktionelle Leiden, wie man heute der Ansicht ist.

Dementsprechend wurden Herzpflanzen früherer Zeiten nach anderen Gesichtspunkten ausgewählt als heute. In der modernen Phytotherapie verwendet man neben herzstärkenden Pflanzen wie Weißdorn, und vor allem Heilpflanzen, die entweder die Kontraktionskraft, die Schlagfrequenz des Herzens (Fingerhut), den Herzrhythmus (Ginster) oder den Blutdruck (Mistel) beeinflussen. Ganz anders bei den „Herzpflanzen aus früheren Zeiten“. Als Herzmittel verwendete man früher Pflanzen, mit deren Hilfe versucht wurde, gekränkte Herzen, Herzleiden wie Traurigkeit, Melancholie, Lieblosigheit, oder Unbarmherzigkeit zu heilen. Das Gänseblümchen zum Beispiel ist als Herzmittel heutzugage unbekannt,

„dennoch berührt die hübsche unschuldige Blüte das Herz. (…) Allein der Anblick des Gänseblümchens vertreibt alle Taurigkeit und Dunkelheit von der Seele.“

Sehr eindrücklich fand ich die Ausfühungen zum Thema Herztransplantationen „das Herz erinnert sich“, sowie die Antworten auf die Frage „Was macht das Herz krank“.

Zusammenfassend findet man hier ein sehr interessantes, wenn auch nicht klassisches Heilpflanzenbuch. Wer sich für die volkskundlichen, geschichtlichen Zusammenhänge, Sagen, Mythen und Weltanschauungen interessiert kommt hier voll auf seine Kosten. Was man hier nicht findet sind Rezepte für Tees oder Tinkturen.