Prellung, Verstauchung, Sehnenscheidenentzündung? Topfenwickel!

Heute möchte ich euch ein tolles, leider vielfach unbekanntes natürliches Hausmittel gegen Prellungen, Verstauchungen, und Entzündungen vorstellen: den Topfen- oder Quarkwickel. Obwohl er inzwischen auch schon von den Ärzten der Unfallambulanz bei uns im örtlichen Bezirkskrankenhaus empfohlen wird, ernte ich nicht selten verständnislose Blicke, wenn ich in der Apotheke den Patienten rate, einen Topfenwickel zu machen.

„Topfen? Also wie jetzt? Speisetopfen?“ „Genau. Stinknormalen Speisetopfen bzw. Quark.“

Wir brauchen genau 3 kostengünstige Zutaten:

  • 1 Packung Speisetopfen (erhältlich im Supermarkt)
  • Vließstoffkompressen oder ES Kompressen (Apotheke), alternativ eine saubere, trockene Mullbinde.
  • Selbsthaftende Fixierbinden oder einen Verband zum Befestigen (Apotheke).

TopfenwickelZutaten

So einfach wird´s gemacht:

Topfen dick auf die entzündete oder schmerzende Körperstelle auftragen, mit einer Vließstoffkompresse bedecken und das Ganze mit einer Fixierbinde befestigen. Den Wickel lässt man eine halbe bis eine ganze Stunde angelegt. Der Topfen sollte dabei nicht eintrocknen.

Bei starken Beschwerden kann der Wickel 2-3x täglich wiederholt werden.

TofpenwickelSchrittfürSchritt

Ein Topfenwickel wirkt:

  • kühlend
  • abschwellend
  • schmerzlindernd
  • entzündungshemmend
  • entgiftend

Der Topfenwickel hilft bei:

  • Prellungen
  • Verstauchungen
  • akuter Entzündung und Schwellung
  • Tennisarm
  • Sehnenscheidenentzündung
  • oberflächliche Venenentzündungen
  • Gelenksentzündungen
  • Sonnenbrand

 

Hör auf deinen Körper…

… und werde gesund. Von Alexandra Stross

HöraufdeinenKörper

Eher durch Zufall bin ich auf dieses interessante Buch gestoßen und habe es fast in einem Zug durchgelesen!

Es ist genau so, wie Alexandra Stross in Ihrer Einleitung beginnt: Dieses Buch ist eine Einladung, über das Thema Gesundheit nachzudenken. Vor allem eine Einladung, sich seine Gesundheit aktiv zu erarbeiten, in die eigenen Hände zu nehmen anstatt die Verantwortung z.B. an Ärzte abzugeben.

Vollkommen schlüssig und logisch nachvollziehbar beschreibt Alexandra Stross eine ganzheitliche Sicht auf die Entstehung und den Sinn von Krankheiten, die sie anhand von Beispielen aus ihrer Praxis veranschaulicht. Sehr interessant fand ich auch ihre Lösungsansätze, die nicht nur auf körperlicher Ebene ansetzen, sondern auch die psychischen Aspekte miteinbeziehen.

Von mir eine klare Empfehlung – UNBEDINGT LESENSWERT!

Heideblütentee gegen Schlafstörungen und Depressionen – Fake News?

Modeerscheinungen und Trends gibt es natürlich auch in der Medizin. Speziell im Bereich der alternativen Medizin tauchen vor allem übers Internet die unglaublichsten Sensationsmeldungen über wundersame Heilerfolge auf. Exotische oder längst vergessenen Heilpflanzen aus sämtlichen Ecken der Welt werden gegen alle möglichen Krankheiten und Wehwehchen angepriesen und  helfen am besten „für oder gegen alles“.

Nicht nur, dass es bei der unglaublichen Informationsflut heutzutage für den einzelnen schier unmöglich ist, diverse Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, es werden leider auch viele Fake News aus dem Netz unkritisch übernommen, geteilt und automatisch für richtig gehalten, nach dem Motto: „das hab ich im Internet gelesen, also muss es richtig sein“. Und so kommt es leider immer häufiger zu Fehlanwendungen, unberechenbaren Wechselwirkungen oder schlicht und einfach zu keiner Wirkung – was dann aber wieder auch langjährig erprobte und bewährte alternative Therapierichtungen in Verruf bringt „alles Blödsinn, das hat mir überhaupt nicht geholfen“.

Vor kurzem wurde ich auf so eine „vergessene Heilpflanze“ aufmerksam gemacht: Heideblütentee gegen Schlafstörungen in der Schwangerschaft wurde bei uns in der Apotheke bestellt (…).

Heideblütentee…

Gemeint sind die frischen oder getrockneten Blüten von Heidekraut, auch bekannt unter dem Namen Erika. Lateinisch unter der Bezeichnung Flos Callunae bzw. Flos Erica zu finden.

Heilpflanzen gegen Schlafstörungen fallen mir auf Anhieb mindestens fünf verschiedene ein, von Heideblüten habe ich weder in meiner inzwischen 14-jährigen beruflichen Tätigkeit als Apothekerin noch im Studium gehört. Das allein mag vielleicht noch nichts heißen – man lernt schließlich nie aus. Ein erster Blick in meine sehr umfangreiche Sammlung an Heilpflanzenbüchern bestätigte allerdings meinen Zweifel. In sämtlichen Kräuterbüchern und Lehrbüchern zur Phytotherapie wird der Heidekrautblütentee lediglich von Margret Madejsky in „Die Kräuterkunde des Paracelsus“ in einem Satz erwähnt und als „mildes Sedativum bei Schlafstörungen und seelischen Verkrampfungen“ beschrieben.

Auch die Kommission E kommt zu folgendem Schluss: „Da die Wirksamkeit bei den beanspruchten Anwendungsgebieten nicht belegt ist, kann eine therapeutische Anwendung nicht befürwortet werden. Gegen die Verwendung als Schmuckdroge bestehen keine Bedenken.“

Frei Schnauze im Dialekt übersetzt: Hilft´s ned, schad´s nix“.

„Die Kommission E bezeichnet eine selbstständige, wissenschaftliche Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA) und des heutigen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Deutschland. Diese Kommission berät das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in der Regel bei der Zulassung von traditionellen Arzneimitteln und von Arzneimitteln der besonderen Therapierichtungen. “ Wikipedia

Noch wollte ich die Heideblüten allerdings nicht vom Tisch kehren: Ganz nach dem Motto „Probieren geht über studieren“ habe ich mir eine kleine Menge Flos Callunae bestellt und wollte die Wirkung im Selbstversuch testen. Dafür habe ich an drei verschiedenen Tagen eine Stunde vor dem Schlafengehen eine Tasse Heideblütentee getrunken.

Das Ergebnis meines Selbstversuches ist rasch erzählt: Ich habe weder schneller eingeschlafen, noch subjektiv besser, tiefer oder länger als normal geschlafen.

Fazit:

Für die Anwendung von Heideblütentee gegen Schlafstörugnen und nervöser Unruhe gibt es:

  • keine Positivmonographie der Kommission E
  • keine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung
  • keine Erwähnung in modernen Phytotherapie Lehrbüchern
  • keine bekannte traditionelle Verwendung (in Österreich und Deutschland)
  • keine positiven persönlichen Erfahrungen meinerseits

Alternativen:

Gute, wissenschaftlich abgesicherte pflanzliche Alternativen bei Schlafstörungen und nervöser Unruhe sind:

  • Baldrian
  • Melisse
  • Hopfen
  • Passionsblume
  • Lavendel
  • Kamille

Sie alle werden einzeln oder gemischt als Tee, Tinktur, Kapseln oder Tabletten in allen möglichen Kombinationen angeboten, werden gut vertragen und helfen in leichten Fällen von Schlafstörungen auch zuverlässig.

Man kann in diesem Fall also gut und gerne auf etablierte Heilpflanzen mit gesicherter Wirkung zurückgreifen und somit sehe ich keinen Nutzen darin, Heidekrautblüten gegen Schlafstörungen zu verwenden.